OpenAI unterzeichnet Pentagon-Vertrag — Stunden nachdem Anthropic auf die schwarze Liste gesetzt wurde

Toni Treichel  ·  2026-02-27  ·  3 Min.
datenschutz sicherheit ki aktuell

In einem verdichteten 48-Stunden-Nachrichtenzyklus, der die Bruchlinien der KI-Branche offenlegte, schloss OpenAI einen Vertrag mit dem US-Verteidigungsministerium zur Bereitstellung seiner Modelle in klassifizierten Militärnetzwerken — nur Stunden nachdem der Rivale Anthropic von der Trump-Administration faktisch auf die schwarze Liste gesetzt worden war, weil er dasselbe verweigert hatte.

Anthropic hatte wochenlang mit dem Pentagon verhandelt. Der Streitpunkt: Das Verteidigungsministerium wollte uneingeschränkten Zugang zu Claude für alle „gesetzlich erlaubten Anwendungsfälle". Anthropic-CEO Dario Amodei zog zwei klare Grenzen — keine Verwendung für vollautonome Waffen und keine inländische Massenüberwachung von US-Bürgern. Als das Pentagon sein abschließendes Angebot unterbreitete, erklärte Amodei, das Unternehmen könne die Bedingungen „nach bestem Gewissen" nicht akzeptieren. Präsident Trump ordnete daraufhin an, dass alle Bundesbehörden die Nutzung von Anthropic-Technologie sofort einstellen; Verteidigungsminister Pete Hegseth stufte das Start-up als „Sicherheitsrisiko für die Lieferkette der nationalen Sicherheit" ein.

OpenAI reagierte schnell. Binnen Stunden kündigte CEO Sam Altman einen eigenen Pentagon-Vertrag an — mit einem bemerkenswerten Detail: Die Vereinbarung enthält genau dieselben Sicherheitsvorkehrungen, auf denen Anthropic bestanden hatte. Altman erklärte, das Verteidigungsministerium habe Verboten für inländische Massenüberwachung und vollautonome Waffen zugestimmt.

Die öffentliche Reaktion kam prompt — und war ironisch. Soziale-Medien-Bewegungen, die dazu aufriefen, ChatGPT zu verlassen, verhalfen Anthropics Claude dazu, OpenAIs ChatGPT im US App Store zu überholen. Anthropics Nutzerbasis ist seit Januar 2026 um über 60 Prozent gewachsen.

Parallel dazu schloss OpenAI eine der größten privaten Finanzierungsrunden der Geschichte ab: 110 Milliarden Dollar, mit Amazon (50 Mrd.), Nvidia und SoftBank (je 30 Mrd.), bei einer Bewertung von 730 Milliarden Dollar vor der Investition. OpenAI zählt inzwischen 900 Millionen wöchentlich aktive Nutzer und 50 Millionen zahlende Abonnenten.

Die Woche verdichtete etwas, das die Branche lange gewusst, aber selten offen ausgesprochen hat: Das Rennen um KI-Skalierung ist untrennbar mit der Frage verbunden, wer sie kontrolliert — und zu welchen Bedingungen.

Quelle: CNBC — OpenAI strikes deal with Pentagon, hours after rival Anthropic was blacklisted  ·  TechCrunch — OpenAI raises $110B  ·  MIT Technology Review

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